Vorstellung verschiedener Tinten und worauf du beim Kauf achten solltest

Verschiedene Tinten

Es gibt unheimlich viele unterschiedliche Tinten und Tuschen, die du für die Kalligrafie nutzen kannst. Das macht es geradezu unmöglich, sie hier vollständig aufzuführen. Eine kleine Auswahl stelle ich jedoch gern vor. Bitte behalte im Hinterkopf: Ob eine Tinte sich gut mit der Feder schreiben lässt, hängt nicht nur von der Tinte selbst ab, sondern auch vom Papier, das du verwendest, und unter Umständen sogar von der Feder: Nicht jede Tinte eignet sich für jede Feder oder jedes Papier. Hier hilft nur eins: ausprobieren.

Die hier genannten Tinten habe ich zu einem großen Teil selbst ausprobiert und gebe an der ein oder anderen Stelle meine (subjektive!) Einschätzung dazu ab.

Inhalt

1. Tinte oder Tusche?

Ja, es gibt einen Unterschied zwischen Tinte und Tusche, auch wenn beides oft synonym verwendet wird. Hier also zunächst eine kurze Begriffsdefinition. Welches der Wörter du selbst verwendest, ist natürlich egal – solange der Unterschied keine Rolle spielt und klar ist, was gemeint ist. Ich selbst spreche (auch im Folgenden) meist von Tinte, jedoch nicht dann, wenn ich explizit Tusche meine. Im Englischen gibt es übrigens sprachlich keinen Unterschied: Sowohl Tinte als auch Tusche wird dort als „ink“ bezeichnet.

Tinte

Bei Tinte wurde der farbgebende (chemische oder pflanzliche) Stoff in Wasser gelöst. Tinten sind also wasserbasiert und in vielen Fällen auch im getrockneten Zustand noch wasserlöslich bzw. mit Wasser wieder anlösbar. Sie sind meist eher dünnflüssig und daher in vielen Fällen nicht deckend. Es gibt allerdings hochpigmentierte und dadurch deckende, opake Tinten. Dünnflüssigere Tinten eigenen sich gut für Füllfederhalter, können aber häufig auch mit der Feder verwendet werden. Um eine bessere Bindung zu erreichen, kann diesen Tinten etwas Gummi Arabicum hinzugefügt werden. Doch Achtung: Meistens enthalten sie bereits ein Bindemittel.

Tusche

Bei Tusche handelt es sich um eine wasserunlösliche Flüssigkeit. Sie besteht aus Pigmenten wie z. B. Russpartikeln und wird mit Bindemitteln versetzt, um sie schreibfähig zu machen. Die Pigmente lösen sich jedoch nicht in der Flüssigkeit auf und setzen sich mit der Zeit am Boden ab. Vor Gebrauch müssen sich die Pigmente also durch Schütteln oder Rühren wieder in der Flüssigkeit verteilen, um ein gleichmäßiges Schriftbild zu ergeben.

Der unten folgende Überblick bezieht sich fast ausschließlich auf Tinten.

2. Darauf solltest du beim Kauf achten

Je nachdem, für welche Art von Projekt du die Tinte verwenden willst, gibt es ein paar Dinge, auf die du beim Kauf achten solltest. Willst du dein Werk zum Beispiel aufhängen, so solltest du Tinte verwenden, die nicht in der Sonne ausbleicht. Legst du Wert darauf, dass das Papier nicht durchscheint, sollte die Tinte blickdicht sein. Es folgen einige Fachbegriffe, die dir bei der Suche nach der richtigen Schreibflüssigkeit die Richtung weisen können.

Lichtechtheit, Dokumentenechtheit, Archivtinte

Lichtecht oder dokumentenecht sollten deine Tinten sein, wenn der Text die Zeit überdauern und auch bei direkter Sonneneinstrahlung nicht ausbleichen soll. Man spricht dann auch von Archvtinte. Wenn du also ein Werk anfertigst, das gerahmt und an die Wand gehängt werden soll, dann ist es wichtig, Tinte oder Tusche zu verwenden, die lichtecht ist. Bei wasserbasierten und oft pflanzlichen Tinten (etwa bei Walnusstinte) ist dies meist nicht der Fall. Dennoch gibt es auch lichtbeständige und sogar dokumentenechte Tinten. Tusche hingegen ist meist sehr lichtbeständig.

Deckkraft

Opazität beschreibt die Deckkraft der Tinte. Je mehr Pigmente die Tinte enthält, desto größer ist ihre Deckkraft, desto opaker ist die Tinte also. Beim Schreiben mit opaken Tinten entstehen keine Deckkraftunterschiede, die Tinte ist also an jeder Stelle gleich dunkel. Hochpigmentierte Tinten weisen in der Regel eine hohe Opazität auf; Aquarelltinte und Tinte für Füllfederhalter enthalten mehr Wasser und sind deutlich weniger opak. Bei derartigen Tinten sieht man häufig Deckkraftunterschiede und sie wirken an manchen Stellen transparenter als an anderen. Auch dieser Effekt kann seinen Reiz haben.

3. Schreiben auf dunklem Papier

Es muss ja nicht immer weiße Tinte sein. Je dunkler das Papier, desto wichtiger ist die Pigmentierung der Tinte. Wasserbasiert kann sie natürlich sein, aber je weniger Pigmente sie enthält, desto schlechter lässt sie sich auf dunklem Papier lesen. In diesem Fall sollte man zu Gouache, Bleed Proof White (auch dies ist Goauche) oder Metallictinten greifen, die jeweils auch auf dunklem Papier sehr deckend sind.

4. Empfehlungen

Dies ist wirklich nur ein winziger Einblick in das riesige Angebot, doch auch mit diesen Tinten kommt man schon sehr weit. Die Links führen jeweils zu den Originalshops, sofern es sie gibt.

Schwarze Tinte und Tusche

India Ink, Encre de Chine, Chinesische Tusche: So manche schwarze Tusche hat einen dieser Namen. India Ink (es gibt sie inzwischen auch in verschiedenen Farben) hat eine sehr hohe Deckkraft und ist lichtecht. Sie wird aus Ruß, Wasser und einem Bindemittel hergestellt, häufig Schellack.

  • Sumi Ink ist pechschwarze, blickdichte (opake) Tusche, die nach dem Trocknen leicht glänzt. Es handelt sich um eine japanische Tusche, die wie India Ink aus Ruß, Wasser und einem Bindemittel hergestellt wird. Dieses ist häufig Gelatine, wird also aus Tierknochen oder Tierfett hergestellt und ist somit nicht vegan. In Deutschland bekommt man sie vereinzelt in spezialisierten Online-Shops. Von mir getestet und für gut befunden: Sumi-Tinte von Kuretake und Moon Palace. Nicht empfehlen kann ich die Sumi-Tinte von Bokuteki.
  • Black Star Matte von Dr. Ph. Martins: Stark deckende, hochpigmentierte, matt auftrocknende schwarze Tinte, die im trockenen Zustand wasserfest, lichtbeständig und dokumentenecht ist. Die Tinte trocknet sehr schnell auf der Feder, so dass diese regelmäßig gesäubert werden sollte, sie lässt sich aber gut schreiben. Glänzend auftrocknende Tinte mit denselben Eigenschaften ist die Black Star HiCarb von Dr. Ph. Martins. Beide enthalten – auch wenn ihre Eigenschaften darauf hindeuten – kein Schellack. Zwar haftet die Tinte ebenfalls ungewöhnlich stark an der Feder und lässt sich oft nicht einfach mit Wasser entfernen, doch sie schädigt die Feder dabei nicht.
  • Winsor & Newton Calligraphy Ink, schwarz. Diese gibt es sowohl als sehr opake als auch als weniger stark pigmentierte Tinte. Beide haben sehr gute Schreibeigenschaften. Mehr zu den Tinten von Winsor & Newton.
  • JAX-INK Ausziehtusche, schwarz: Auf der Suche nach einer lichtechten, stark deckenden Tinte, die matt auftrocknet (und ohne die oben genannte Black Star Matte in greifbarer Nähe zu haben), habe ich aus der Not heraus diese Tusche gekauft. Sie enthält Schellack und greift daher die Feder schneller an. Dennoch hat sie durchaus sehr positive Eigenschaften, denn es lässt sich gut mit ihr schreiben, sie drückt sich nicht durch das Papier und blutet auch auf weniger gut geleimtem Papier nicht aus. Es gibt sie auch in anderen Farben.

Selbstgemachte/Selbstzumachende „Tinte“

Tintenflüssigkeit kann aus vielerlei Hausmitteln hergestellt werden, hier nur einige davon. Diese Tinten sind weder lichtecht noch deckend, doch sie lassen sich in der Regel außerordentlich gut mit der Feder verwenden. Um gute Bindungseigenschaften zu erreichen, sollten sie mit Gummi Arabicum versetzt werden.

  • Walnusstinte wird aus den (äußeren) Schalen von Walnüssen hergestellt (ein Rezept findet ihr z. B. bei „Kallimagie“). Sie ist leicht durchscheinend und kann sowohl bereits flüssig als auch in sogenannten Kristallen gekauft werden, die dann in Wasser aufgelöst werden. Je nachdem, wie viel Wasser (und Gummi Arabicum) hinzugefügt wird, erreicht sie einen hellen oder dunkleren Braunton. Sie kann auch selbst hergestellt werden und ist recht kostengünstig. Meine absolute Lieblingstinte für den Alltagsgebrauch.
  • Avocadotinte wird gewonnen, indem der zerkleinerte Kern einer Avocado einige Zeit in Wasser köchelt. Sie ist ebenfalls leicht transparent, und abhängig davon, wie viel Wasser verwendet wird, erreicht sie hellere oder dunklere Töne. Ihr Farbton geht leicht ins Braun-Rötliche.
  • Kaffee: Je stärker er ist, desto dunkler wird die Tinte, sie erreicht jedoch nie eine so dunkle Farbe wie die Walnusstinte.

Ausgewiesene Kalligrafietinten

  • Winsor & Newton Calligraphy Ink: Lichtechte Tinte in verschiedenen, sehr brillianten Farben, (auch Schwarz, Weiß und Metallic), die untereinander mischbar sind. Die Farben mit einer roten Kappe sind opak, darunter auch Schwarz, Weiß und die Metallicfarben. Sie alle eigenen sich für das Schreiben mit der Feder, jedoch nur diejenigen Farben mit einer blauen Kappe können zusätzlich z. B. mit einem Füllfederhalter verwendet werden. Die Tinte ist nicht wasserfest und kann nach dem Trocknen mit Wasser wieder aktiviert werden (also Achtung, wenn du vielleicht nachträglich einen Aquarellhintergrund erstellen willst).
  • Online Germany 
    Die Tinten von Online Germany sind für die Feder, doch explizit auch für den Füllfederhalter geeignet. Sie ähneln in ihren Eigenschaften flüssigen Aquarellfarben, sind recht transparent und nicht lichtecht; ihre Fließeigenschaft ist für die Feder jedoch ideal.
  • Kallipos: Tinten in verschiedenen Farben, die gute Lichtechtheit aufweisen, jedoch nicht dokumentenecht sind. Sie ähneln flüssigen Aquarellfarben und sind eher transparent und nicht deckend.
  • Rohrer & Klingner Schreibtinte: Tinten in verschiedenen brillianten Farben mit guten Schreibeigenschaften. Sie sind nicht opak und nicht dokumentenecht, aber lichtecht.
  • Herbin Fountain Pen Ink: Tinte für Füllferhalter oder die Feder. Verschiedene nicht opake, nicht dokumentenechte Farben mit großer Farbbeständigkeit.

Metallictinten

  • Dr. Ph. Martins Iridescent Ink: Lichtbeständige, dokumentenechte Tinte mit wasserfesten Metallicpigmenten für großartigen mehrfarbigen Schimmer. Sie sind mit Wasser verdünnbar, erreichen für sich jedoch eine hohe Opazität und sind nach dem Trocknen wasserfest.
  • Winsor & Newton Calligraphy Ink, Gold und Silber. Mehr zu den Tinten von Winsor & Newton.
  • Coliro Pearlcolors: Aquarellfarbe mit Metallicpigmenten in Näpfchen. Sie lassen sich wie normale Aquarellfarben im Näpfchen mit Wasser anlösen und dann mittels Pinsel auf die Feder auftragen: Je mehr Pigment man verwendet, desto opaker sind die Farben. Insgesamt sind sie relativ lichtecht.
  • Tinten mit Glanzpigment von Kallipos: Lichtechte Tinte mit Glanzpigmenten, die auch auf dunklem Papier gut zu erkennen, wenn auch nicht vollständig deckend ist.
  • Jacques Herbin Les encres: Schimmertinte mit Glanzpigmenten, nicht opak oder dokumentenecht, aber lichtecht. Gibt es in verschiedenen Kollektionen (1670, 1798, 350th anniversary).
  • Diamine Ink: Regelmäßig zur Weihnachtszeit veröffentlicht Diamine einen Adventskalender, den Inkvent Calendar, der viele kleine Tintenfässchen u. a. mit Metallictinten und irisierenden Tinten enthält. Mit der Feder lässt sie sich ebenso gut schreiben wie die „normale“ Tinte von Diamine und hat die gleichen Eigenschaften (s. u.), doch auch wenn sie für den Füllfederhalter geeignet sein sollen – aufgrund der Glanzpartikel würde ich sie nicht damit verwenden.

Füllfedertinten

Tinten für den Füllfederhalter sind in der Regel flüssiger als für die Feder, dennoch ist jede im Tintenfass erhältliche Tinte für den Füllfederhalter potenziell auch für die Feder geeignet. Hier gibt es eine große Bandbreite an Angeboten.

  • Jacques Herbin Essential Inks: Tinte für Füllferhalter oder die Feder. Verschiedene nicht opake, nicht dokumentenechte Farben mit großer Farbbeständigkeit.
  • Diamine Ink: Großes Farbspektrum, lichtecht, aber nicht opak oder dokumentenecht. Zum Teil auch als Tinten mit Metallicschimmer erhältlich (s. o.).
  • Rohrer & Klingner sketchINK: Wasserfeste, lichtechte Tinte in brillianten, aber nicht opaken Farben.
  • Rohrer & Klingner dokumentus: Weltweit erste zertifizierte dokumentenechte Tinte für Füllfederhalter in verschiedenen Farben.

Weiße Kalligrafietinte

Hier habe ich schon einige ausprobiert, aber kann bei Weitem nicht alle empfehlen (und führe diese dann auch nicht auf, z. B. von Ecoline; sie erreichen einfach keine hohe Deckkraft.)

  • Dr. Ph. Martins Bleed Proof White: Recht dickflüssige Paste (es handelt sich um Gouache, s. u.), die mit Wasser verdünnt werden muss (z. B. im Dinky Dip), bis sie die richtige Konsistenz zum Schreiben mit der Feder erreicht. Sehr opak, sehr zuverlässig, schnell trocken, hat dann eine fast kreideartige Konsistenz.
  • Dr. Ph. Martins Pen-White: Diese habe ich selbst noch nicht ausprobiert, aber sie wird von bekannten Kalligraf(inn)en hoch gelobt. Bei ihr handelt es sich um eine wasserbasierte Tinte, die wie Bleed Proof White sehr opak und auf vielen anderen Farben (und dunklem Papier) deckend ist. Sie ist wasserbasiert und nicht wasserfest.

Aquarell und Gouache

  • Dr. Ph. Martins Hydrus: Lichtbeständige, dokumentenechte, recht opake und hochpigmentierte flüssige Aquarelltinte in vielen brillianten Farben. Die Farben lassen sich untereinander mischen, die Tinte lässt sich mit Wasser verdünnen. Sie braucht allerdings recht lange zum Trocknen und wenn man darunterliegende Bleistiftstriche radieren muss, sollte man schon einige Tage warten.
  • Ecoline: Flüssige, recht transparente, brilliante Aquarellfarbe. Für die Feder etwas dünnflüssig. Die Farbauswahl ist riesig. In der Regel kann man auch ohne Zusatz von Gummi Arabicum gut damit schreiben, läuft jedoch dann eher Gefahr, dass die Tinte in das Papier ausblutet. Nicht dokumentenecht, nach dem Trocknen mit Wasser wieder anlösbar.
  • Aquarellfarbe in Näpfchen: Die Farbe ist mit Wasser anzulösen und mit dem Pinsel auf die Feder aufzutragen. Je nachdem, wie viel Pigment dabei aufgenommen wird, kann ein mehr oder weniger opakes Schriftbild erreicht werden.
  • Gouache: In Tuben erhältlich. Gouache und Aquarellfarbe enthalten das gleiche Pigment (je Anbieter), doch Gouache ist wesentlich höher pigmentiert. Die Farbe ist in einem separaten Gläschen mit Wasser (und eventuell Gummi Arabicum) zu verdünnen, damit sie eine gute Schreibkonsistenz erhält. Gouache ist opak und kann auch auf dunklen Papieren verwendet werden. Die Farben lassen sich miteinander zu neuen Farbtönen mischen. 

Eisengallustinte

Eisengallustinten sind lichtbeständig und dokumentenecht und haben außergewöhnlich gute Schreibeigenschaften, daher werden sie gern für die Kalligrafie verwendet. Die Tinte erscheint auf dem Papier zunächst in den auf dem Glas angegebenen Farbtönen, dunkelt jedoch im Laufe der Zeit nach, bis sie fast schwarz erscheint. Einziger Nachteil: Eisengallustinten greifen die Feder schneller an als alle anderen Tinten, so dass diese schneller ersetzt werden muss.

  • Rohrer & Klingner: Neben zahlreichen weiteren Schreibtinten führen Rohrer & Klingner auch zwei Eisengallustinten, Scabiosa und Salix.
  • Kallipos: selbst hergestellte Eisengallustinten.

5. Weitere Tuschen

Tusche ist in der Regel lichtbeständig und dokumentenecht. Doch Achtung: Nicht jede Tusche, die ausgewiesenermaßen für die Kalligrafie verwendet werden kann, eignet sich auch tatsächlich für die Spitzfeder. Manch eine Tusche kann nur mit anderen Federn, zum Beispiel mit der Bandzugfeder, verwendet werden.

Gerade für Tusche wird häufig Schellack als Bindemittel Schellack verwendet (siehe JAX oben). Das verleiht den Tuschen zwar einen schönen Glanz, doch diese Bindemittel greifen die Feder schneller an.