Ein Passepartout kennst du vielleicht von der Bildrahmung: Es handelt sich in der Regel um eine Art kartonierten Rahmen, der zwischen Kunstwerk und Bilderrahmen liegt und einen optischen Abstand schafft. Dadurch bekommt das Werk mehr Raum, wirkt großzügiger und wird gleichzeitig stärker hervorgehoben. Gerade bei kalligrafischen Arbeiten kann ein Passepartout dafür sorgen, dass die Schrift besonders edel und hochwertig wirkt.

Für diesen Effekt brauchst du allerdings weder einen zusätzlichen Karton noch ein fertiges Passepartout. Du kannst den Eindruck eines Passepartouts direkt auf deinem Papier erzeugen – und zwar durch eine Prägung. So bekommt dein kalligrafisches Werk einen dezenten Rahmen, der bereits im Papier steckt.

Das brauchst du

  • Papier, auf dem du später kalligrafieren möchtest
  • dünne Graupappe für die Prägeschablone
  • Prägelöffel oder einen anderen eher scharfkantigen Gegenstand, z. B. ein Falzbein
  • ein kleines Stück Washi-Tape
  • ein Light Pad (Lichttisch)

So geht’s

1. Prägeschablone anfertigen

Schneide aus dünner Graupappe eine rechteckige Form aus, die etwas kleiner ist als dein Werkpapier. Sie bestimmt die Größe und Position deines späteren Passepartout-Rahmens.

Lege die Prägeschablone auf dein Papier und positioniere sie genauso, wie dein Passepartout später aussehen soll. Achte dabei darauf, dass rund um die Schablone genügend Platz für dein kalligrafisches Werk bleibt.

Fixiere die Schablone anschließend mit einem kleinen Stück Washi-Tape am Papier. Das verhindert, dass sie beim Umdrehen verrutscht.

2. Papier vorbereiten

Du prägst die Schablone von der Rückseite des Papiers. Drehe deshalb das Papier zusammen mit der befestigten Prägeschablone vorsichtig um und lege es mit der Schablone nach unten auf dein Light Pad. Durch das Licht kannst du die Kanten der Graupappe nun gut erkennen.

Keine Sorge, wenn du dir an dieser Stelle noch nicht sicher bist, welche Seite später die Vorderseite werden soll. Durch die Prägung entstehen auf Vorder- und Rückseite unterschiedliche Effekte. Du kannst anschließend einfach die Seite verwenden, die dir besser gefällt.

3. Rahmen prägen

Fahre nun mit dem Prägelöffel oder einem anderen scharfkantigen Gegenstand langsam an den Außenkanten der Graupappe entlang. Arbeite dabei mit gleichmäßigem, eher sanftem Druck. Es ist besser, mehrmals über eine Kante zu fahren und die Prägung langsam zu verstärken, als von Anfang an zu kräftig zu drücken. So hast du mehr Kontrolle und vermeidest, dass das Papier beschädigt wird oder die Kante zu einem echten Falz wird. Präge alle vier Seiten der Schablone sorgfältig nach.

4. Prägung sichtbar machen

Entferne vorsichtig das Washi Tape und anschließend die Prägeschablone. Drehe dein Papier um und betrachte die Prägung: Auf der einen Seite wirkt der Bereich innerhalb des Rahmens vertieft und der Rahmen selbst erhaben. Auf der anderen Seite entsteht der umgekehrte Effekt.

Ein Passepartout-Effekt entsteht, wenn der der Bereich für das kalligrafische Werk leicht vertieft liegt und der Rahmen erhaben hervortritt. Welche Seite du verwenden möchtest, ist aber natürlich Geschmacksache.

So hast du dein Passepartout direkt ins Papier geprägt und kannst dein Werk nun innerhalb des Rahmens kalligrafieren. Ich wünsche dir viel Spaß beim Ausprobieren!

Tipps

⭐️ Probiere die Technik am besten zunächst an einem Stückchen Restpapier aus. So kannst du testen, wie viel Druck dein Papier verträgt und welche Seite der Prägung dir besser gefällt.

⭐️ Je dicker das Papier, desto schwieriger ist es zu prägen. Wenn du kleinteilige Prägungen vornehmen willst, solltest du daher dünneres Papier verwenden.

⭐️ Deine Prägeschablone sollte nicht allzu dick sein, denn je dicker sie ist, desto schwieriger ist die Prägung. Gut zu verwenden ist zum Beispiel eine Lebensmittelverpackung, etwa ein Nudel- oder Müslikarton.